Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal

Inschrift des Denkmals

 Seinen Helden im Weltkrieg 1914 - 1918

zu ehrenden Gedenken gewidmet

 die dankbare Gemeinde Kapellendorf

Es fanden den Heldentod fürs Vaterland

Harry Eulenstein † 27.9.1914

Paul Lange †24.2.1915

August Streit †20.5.1915

Paul Zaubitzer †14.9.1915

Otto Krause †15.9.1915

Otto Matthey †10.10.1915

Robert Matthey †6.3.1916

Richard Thiem †7.3.1916

Adam Dill †26.5.1916

Otto Fritsch †10.8.1916

Franz Mackrodt †4.9.1916

Paul Löser †1.10.1916

Hugo Bartholomes †9.6.1917

Max Hesse †11.9.1918

Bruno Handwerk †25.12.1918

Am Kriege nahmen ferner teil

M. Rössler
P. Fritsch
M. Müller
P. Matthey
F. Mackrodt
M. Wickler
E. Zitzmann
H. Fritsche
H. Eckhardt
H. Handwerk 1
O. Handwerk
J. Hornemann
H. Schwendler
P. Frankenhäuser
W. Frankenhäuser
W. Schoder *
O. Rehhausen
NAME FEHLT *
NAME FEHLT *
NAME FEHLT *

K. Löser
W. Löser
E. Möttig
E. Knabe
P. Bartholomes 1
P. Bartholomes 2
H. Lange
O. Knauer
R. Hörnig *
C. Singer *
H. Handwerk 2
H. Henschel
E. Nothnagel
O. Pohle *
R. Schmidt
H. Felsberg *
A. Handwerk *
H. Winter *
K. Petri *
A. Franke

H. Fröbel
O. Handwerk
R. Zitzmann
F. Zitzmann
A. Bartholomes
F. Schreyl *
K. Zaubitzer
A. Matthey
M. Winter
F. Schreyl
K. Peter
O. Beyer
H. Eulenstein
A. Schmidt
E. Schindler
W. Hüttenrauch
R. Knobloch
R. o. P. Machleb *
?. Berger *
O. Batholomes

* Die Namen können nicht mehr eindeutig gelesen werden oder der Eintrag fehlt

Aus der Chronik

Erst am 6. Mai 1922 war es in KAPELLENDORF soweit, dass das dortige Kriegerdenkmal seiner Bestimmung übergeben wurde.

Allerdings fand dabei eine pazifistisch motivierte Gegendemonstration durch einige WEIMARer Vertreter des "Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Kriegsteilnehmer" statt, von denen ein Sprecher die Befürchtung äußerte, solche Denkmals-Feiern würden die "Saat des Hasses zu neuen Kriegen säen". Daraufhin wurde er durch laute Schlussrufe zur Beendigung seiner Rede aufgefordert.

Ein Vertreter des Jungdeutschen Ordens JENA versuchte die aufgekommene Missstimmung etwas zu glätten, indem er die Versammelten zu vaterländischer Einheitsgesinnung aufrief. Der ortsansässige KAPELLENDORFer Vorsitzende des erwähnten Reichsbundes, der Kriegsbeschädigte Maurer Paul Matthey, war offensichtlich der Initiator der Gegenaktion gewesen, von der die vaterländischen Kreise Wind bekommen hatten.

Am Schluss der Feier zogen die Jungdeutschen jedenfalls mit lautem Cesang vor Mattheys Fenster vorbei.

Die Thüringer KPD-Landtagsfraktion nun nahm die Vorgänge zum Anlass einer kleinen Anfrage im Landtag. Daraufhin veröffentlichten die etablierten Gremien des Ortes eine gemeinsame Erklärung im Apoldaer Tageblatt, in der sie die pazifistische  Aktion verurteilten und gleichzeitig die politische Ausgrenzung des Kriegsbeschhädigten Matthey aus der Dorfgemeinschaft proklamierten und rechtfertigten.

Unterzeichner der Erklärung waren:

Die politische Gemeinde
Die evangelische Kirchengemeinde
Der Kriegerverein
Die Jungdeutsche Schaar
Die Ortsgruppe des Thüringer Bauernbundes
Der Landwirtschaftliche Verein
Der Denkmalsverein

Damitt hatten sich praktisch alle konservativ-reaktionären Kreise des Ortes als Befürworter eines rückwärts gerichteten Vaterlandskultes zu erkennen gegeben.

Der Prediger des "erhebenden Gedächtnisgottesdienstes", der der Einweihung vorausging, war Ortspfarrer Karl Peter.

Wenig später äußerte sich die Ortsgruppe APOLDA des Reichsbundes in einer Leserbrief-Entgegnung zu den Vorwürfen der KAPELLENDORFer Rechtskoalition. Darin schilderte sie, wie Matthey seitdem im Ort terrorisiert wurde und örtliche Handwerker und Gewerbetreibende einen umfassenden Boykott über ihn verhängten.

Den KAPELLENDORFer Organisatoren der Denkmalsweihe wurde vorgeworfen, ihre Aktivitäten liefen letztlich auf einen Sturz der republikanischen Staatsmacht hinaus.

Ein erstes großes "Kriegerjubiläumsfest" nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieg fand am 20.Mai 1922 in der Landgemeinde APOLDA-OBERNDORF statt. Ein Festumzug sämtlicher Kriegervereine der Umgegend, ein Wald von Fahnen, unzählige Eiserne Kreuze an den ordensgeschmückten Heildenbrüsten, eine Festversammlung mit vaterländischen Ansprache durch Lehrer Arno Sohellenberg - Oberndorf, das Niederländische Dankgebet, Gedichtvorträge von Jungfrauen, die Verleihung von Fahnenbändern und die Nagelung von Fahnenschäften sowie anschließendes Konzert und Plantanz gehörten zu den Bestandteilen.

Quelle: Buch "MARTIALISCHE IDOLE", Peter Franz