Denkmal Sperlingsberg

Denkmal Sperlingsberg

Das Denkmal auf dem Sperlingsberg bei Kapellendorf ist ein im Stil der Bismarcktürme des ausgehenden vergangenen Jahrhunderts errichtetes und begehbares Bauwerk aus Muschelkalk.
Der Turm entstand nach einem Entwurf des Architekten Max Ehrhardt (Apolda), der als Vorbild wohl das preisgekrönte Bismarckturm-Modell von Wilhelm Kreis vor Augen hatte. Der Turm hat eine Höhe von 12 m und einen Grundriss von 5,5 * 5,5 m. Zuletzt fand im Jahre 1986 eine Sanierung des Turmes statt.

Dieser Turm, aus Spendenmitteln gebaut und am 14. Oktober 1907 eingeweiht, dient dem Gedenken der Gefallenen des Korps des Generalleutnant Rüchel. Dieses Korps wurde im letzten Gefecht der Schlacht bei Jena am Sperlingsberg in nur dreißig Minuten vernichtend geschlagen und aufgerieben.
Eine Gedenktafel am Turm erinnert an den gescheiterten Angriff des preußischen Generals Ernst von Rüchel in der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806.

Vom Sperlingsberg hat man einen Rundblick über den westlichen Teil des Schlachtfeldes, auf dem sich vor der Schlacht das Biwak der preußischen Hauptkräfte befand. In der unterhalb des Sperlingsberges liegenden Wasserburg war vom 12. Oktober 1806 bis zur Schlacht das Hauptquartier der preußisch-sächsischen Verbündetenarmee untergebracht.

Die Schlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806

(aus "Spuren der Geschichte - Napoleon in Thüringen", Jena 1996 von D. Jena und R. Stolz)

Mancher Besucher hat sich schon durch die reichhaltige Literatur oder z.B. in den Gedenkstätten 1806 in Jena-Cospeda, Auerstedt und Hassenhausen über die historischen Hintergründe und Voraussetzungen der Doppelschlacht informiert.

Er kann nachvollziehen, wie Napoleons Weg vom kleinen Offizier und späteren General zum Konsul der französischen Revolution seit 1789 verlaufen ist. Er weiß, welche geschichtliche Bedeutung der Kaiser der Franzosen besitzt. Er hat eine Vorstellung davon, wie der napoleonische Adler über die Schlachtfelder Europas geflogen ist, über Marengo, über Austerlitz - bis er im trüben Herbst von 1806 mit seinem tödlichen Flügelschlag auch die Preußen und Sachsen bei Jena und Auerstedt getroffen hat. Und er weiß, wie Napoleon Bonaparte geendet ist, welche Rolle der "Weltgeist zu Pferde" für die politische Landkarte Europas, für die Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts besessen hat.

Es existiert ein lückenloser Ãœberblick über Truppenstärken (170.000 Franzosen und 130.000 Preußen und Sachsen), beteiligte Persönlichkeiten, Orte und Gegebenheiten sowie der beiderseitigen taktischen Verhaltensweise. Der Verlauf der differenzierten Gefechte in ihren zeitlichen Dimensionen ist umfassend ermittelt. Nach vorhandenen Ãœbersichten - und gestützt auf viele Dokumente und Zeugenaussagen, die reichhaltig überliefert worden sind - kann der Ablauf der Schlacht bei Jena als auch der bei Auerstedt chronologisch dargestellt werden.

Ablauf der Schlacht bei Jena

Am 13. Oktober 1806 traf Napoleon, von Gera kommend, gegen 16 Uhr in Jena ein. Er hielt sich nicht im Stadtschloß (heute steht dort das Hauptgebäude der Universität) auf, sondern begab sich über den "Apoldaer Steiger" zum Landgrafenberg, zum Windknollen, und sichtete westlich das preußische Heerlager unter dem Kommando des Fürsten Hohenlohe. Napoleon irrte sich, wenn er annahm, die Hauptmacht des preußisch-sächsischen Heeres vor sich zu haben. Ihm standen am Abend des 13. Oktober nur das V. Korps und die Gardeinfanterie bei Jena zur Verfügung: das Kräfteverhältnis stand 5:1 gegen Napoleon. Noch während der Nacht treffen drei weitere französische Korps auf dem Schlachtfeld ein, geführt von den Marschällen Soult, Ney und Augereau. Am Morgen des 14. Oktober stehen den 55.000 Franzosen (bis Mittag werden es 95.000) 53.000 Preußen und Sachsen gegenüber.

Am 14. Oktober - es ist noch dunkel und außerdem nebelig - eröffnen die 20.000 Soldaten des V. Korps der Franzosen unter Marschall Lannes zwischen Lützeroda und Closewitz die Schlacht. Bis gegen 9 Uhr haben sie die preußisch-sächsischen Truppen unter dem Kommando des Grafen von Tauentzien vernichtend geschlagen. Tauentziens überlebende Soldaten ziehen sich in Richtung Kleinromstedt zurück.

Zur selben Stunde - bis gegen 10 Uhr - treffen zwischen Rödigen und Lehesten 4.700 Preußen und Sachsen unter Genaral Holtzendorff auf etwa 10.000 Franzosen unter Marschall Soult und müssen sich ebenfalls der französischen Macht beugen. Während Holtzendorff sich in Richtung Apolda zurückzieht, führt Soult seine Truppen in Richtung auf den Hauptkampfschauplatz: Vierzehnheiligen.

Hier, bei Vierzehnheiligen, standen sich gegen 9 Uhr jeweils über 40.000 Soldaten auf beiden Seiten gegenüber. Der Fürst Hohenlohe verfügte sogar über ein leichtes Ãœbergewicht, weil seine Truppen im Unterschied zu den französischen, noch ausgeruht waren. Zunächst entwickelte sich ein stehendes Gefecht. Napoleon mußte abwarten, bis seine Soldaten aus Lützeroda und Rödigsdorf nachgerückt waren. Gegen 9.45 Uhr hatten sich die Reihen gefüllt und unter dem konzentrierten Einsatz von Artillerie, Kavallerie und Infanterie lieferten sich beide Seiten erbitterte Gefechte um das in Brand geschossene Dorf Viertzehnheiligen. Obwohl die Franzosen mit ihrer beweglichen Taktik im Vorteil waren, die Preußen und Sachsen standen ihnen in Mut und Standhaftigkeit nicht nach. Sie hatten jedoch das Minus der eigenen Truppenführung auf ihrer Seite: die kommandierenden Generäle überblickten die Lage oft nicht , verhielten sich ungeschickt und rein traditionell und verloren den Kopf. An Mut hat es ihnen indessen auch nicht gefehlt. Sächsische Dragoner und Kürassiere brachten den auf dem Dornberg angelangten Napoleon in arge Bedrängnis. Zwichen 11 und 11.30 Uhr befand sich der Kaiser gar in einer kritischen Situation. Bis 12 Uhr hatte er die Balance wiedergewonnen, die preußisch-sächsichen Kräfte erlahmten. Hohenlohes Truppen standen seit fast zwei Stunden im massierten Feuer: die Franzosen hielten Viertzehnheiligen und besetzten zudem Issserstedt. Frische französische Reserven beginnen gegen 13 Uhr die preußisch-sächsischen Kräfte zu durchbrechen. Hohenlohes Flucht gerät zur wilden Panik seiner Truppen: nur weg aus dem Gemetzel - nach dem schützenden Weimar.

Hohenlohe gelangte nach Kappellendorf . Dort wartete der preußische General Rüchel mit etwa 12.000 Soldaten. Gegen 13 Uhr war er dort, aus Weimar kommend, eingetroffen. Die französische Kavallerie folgte den fliehenden Preußen und Sachsen auf den Fersen. Und da sich General Rüschel zudem so ungeschickt wie möglich verhielt, war es leicht, vom Sperlingsberg aus, in nur gut einer halben Stunde der preußischen Armee und deren sächsischen Verbündeten auch hier, in dem kleinen Dorf Kapellendorf endgültig den Todesstoß zu versetzen. Gegen 15 Uhr fand die Bataille ihren Anschluß. Tapfere sächsische Soldaten versuchten noch u. a. bei Umpferstedt Auffangstellungen zu errichten, aber es war vergebens, die Schlacht war verloren. Weimar stand vor der Plünderung.


Ablauf der Schlacht bei Auerstedt


Und Auerstedt? Napoleon war im Verlauf des Tages klar geworden, daß er sich nicht mit der preußischen Hauptarmee auseinandersetzte. Weder den preußischen König, noch den Herzog von Braunschweig, den Oberbefehlshaber,hatte er zu Gesicht bekommen. Die Hauptstreitmacht war am Abend des 13. Oktober in der Gegend von Auerstedt eingetroffen. Sie sollte bei Freiburg die Unstrut überqueren und von dort aus in nördlicher Richtung die anmarschierenden Franzosen erwarten. Hohenlohe, bei Jena geschlagen, hatte eigentlich nur die Aufgabe, diesen Abzug zu decken.

Als die Bataille bei Jena begann, bewegte sich die preußische Armee von Rannstedt und Auerstedt in Richtung Gernstedt und Taugwitz. Zu diesem Zeitpunkt marschierte das III. französische Korps unter Marschall Davout, das am 12. Oktober Naumburg eingenommen hatte, über den Kösener Paß. Es sollte den bei Jena zu schlagenden Hauptfeind durch einen Marsch auf Apolda in den Rücken fallen. Der Marsch ging in Richtung Hassenhausen. Auch Marschall Davout irrte sich: er hatte keine Ahnung, daß er auf die preußische Hauptarmee treffen würde. Andererseits unterschätzte auch der preußische Generalstab die bei Naumburg stehenden französischen Kräfte.

Zunächst stießen in den frühen Morgenstunden preußische Dragoner bei Poppel und Taugwitz auf französische Kavalleriepatrouillen. Aus dem Scharmützel entwickelte sich das große Gefecht: gegen 7 Uhr besetzte Davout mit einer Division Hassenhausen und entfaltete die Soldaten nördlich und südlich des Dorfes. Der preußische General Blücher attackierte den rechten Flügel vergeblich. Gegen 9 Uhr verstärkten beide Seiten ihre Linien: durch die Division Schmettau auf preußischer und durch die Division Friant auf französischer Seite. Der Herzog von Braunschweig hält den linken Flügel der Franzosen für schwächer und entsendet Scharnhorst und Boyen zum verstärkten Druck dorthin. Davout reagiert sofort mit Verstärkungen.

Nachdem der Herzog von Braunschweig tödlich verwundet worden war, ernannte Friedrich Wilhelm III. keinen neuen Oberbefehlshaber, so Daß die Armee nicht mehr einheitlich geführt wurde.

Gegen 10 Uhr attackierte die preußische Division Wartensleben: die Franzosen konnten zurückgedrängt werden. Da die Franzosen jedoch gegen 11 Uhr schneller Reserven in das Gefecht führen konnten, entschieden sie die Schlacht zu ihren Gunsten. Entscheidend war dabei auch, daß der preußische König sich weigerte, die 18.000 Mann der Reserve unter General Kalckreuth in die Schlacht zu führen - sie wurden nur zur Deckung eingesetzt.

Am Nachmittag schließlich ordnete der König den Rückzug an - auch diese Schlacht ging für Preußen und Sachsen verloren - damit lag ganz Deutschland offen vor Napoleon und wenige Tage später marschierte er auch in Berlin ein.