Wasserburg in Kapellendorf jahrhundertealt und noch nicht fertig

Wasserburg in Kapellendorf jahrhundertealt und noch nicht fertig

Erstmals durchgeführte Baustellenführungen auf der Wasserburg in Kapellendorf waren sehr gut besucht. Wiederholung im kommenden Jahr

„An einer Burg wird immer gebaut“, sagt Marie Linz. Das kann man dieser Tage auf ganz spektakuläre Art und Weise auf der Wasserburg in Kapellendorf verfolgen. Hier sind Industriekletterer Benjamin Seifert und sein Kollege mit Reparaturarbeiten am Dachkasten der Kemenate beschäftigt. In luftiger Höhe gilt es, den Dachkastens abzunehmen und einen neuen anzubringen. Trotz der außergewöhnlichen Methode eine ganz normale Erhaltungsmaßnahme, sagt Marie Linz.Die Kuratorin und Verwalterin der Wasserburg hat Geschichte studiert, hält seit acht Jahren in der Wasserburg Kapellendorf die Fäden in der Hand und begleitet dementsprechend auch sämtliche Baumaßnahmen. Diese beschränken sich im 21. Jahrhundert natürlich hauptsächlich auf die Sanierung und den Erhalt der Substanz, und weniger auf grundhafte Veränderungen in der Bebauung, wie es die Burg in vielen Jahrhunderten erlebt hat.
 
Führung über Dächer und durch die Kellergewölbe
Weil genau dieses Thema auch viele Besucher reizt, veranlasste es Marie Linz in diesem Jahr, zum ersten Mal nicht nur als Kuratorin durch die Ausstellungen zu führen, sondern ebenso Führungen durch das Innenleben der Burg anzubieten. Dabei ging es durch die Dachgeschosse, in Gewölbekeller, aktuelle oder künftige Ausstellungsräume, eben durch die gesamte Burg. „Die verschiedenen Führungen sind so gut angekommen, dass wir sie im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder anbieten wollen“, so Marie Linz, die im Dienste der Stadt Erfurt steht, die – aus der Geschichte resultierend – Nutzerin der Burg ist.
 
Während also für das Leben in den Burgmauern die Landeshauptstadt verantwortlich zeichnet, gilt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin der historischen Immobilie.Für deren Erhalt wurden in den vergangenen Jahren mehrere Hunderttausend Euro in Kapellendorf investiert. So wurde 2010 damit begonnen, das gesamte Abwassersystem im Innenhof und die Sanitäranlagen im ehemaligen Torhaus auf Vordermann zu bringen. Demnächst beginnen die Planungen zum nächsten größeren Bauabschnitt. Der liegt im westlichen Flügel der Burganlage, beherbergte einst das Justiz- und Rentamt und soll nun künftig als Museum genutzt werden, das derzeit noch in der Kemenate untergebracht ist. Dass dieser Teil der Burganlage keine optimale Unterbringung für ein Museum darstellt, liegt vor allem an den steilen Treppen in dem Turmgebäude. Auch deshalb will man es nun anderweitig unterbringen. Im Erdgeschoss ist dafür ein großer Empfangsraum mit Tresen geplant, der um einen Museums-Shop und die Verwaltungsräume ergänzt wird. Während die wechselnden Sonderausstellungen künftig hier gezeigt werden sollen, wird sich eine Etage höher dann die Dauerausstellung der Burg wiederfinden.Dass die neuen Räumlichkeiten auch stets den heutigen Anforderungen an ein Museum entsprechen müssen, ist ein schwieriges Unterfangen in einem alten Gebäude. Oft müssen dabei bauliche und gestalterische Kompromisse eingegangen werden. So zu sehen an der Außenfassade, die bereits vor zwei Jahren restauriert wurde. Hier wurden die Experten zu einer nicht einfachen Entscheidung gezwungen. Fachwerk oder verputzte Hauswand, wie war der ursprüngliche Zustand? Die Lösung: ein sichtbares Fachwerk, das sich aber in einer monochromen getünchten Fassade versteckt.Marie Linz hofft, dass im nächsten Jahr die Arbeiten am neuen Trakt beginnen können.Derweil feilt Linz aber schon an neuen Ideen. So soll das Veranstaltungsangebot mit Burghoftheater, Ritterspektakel, Töpfermarkt, Führungen und Biwak noch erweitert werden. Neben den vielen Städtetouristen will man künftig vor allem auf Familien noch mehr eingehen. Das Kindertheater ist schon ein erster Schritt. Linz stellt sich dafür beispielsweise einen Naturlehrpfad um die Burg vor. Relativ seltene Pflanzen und Tiere wie der Eisvogel seien hier zu beobachten. Ein solches Angebot könnte sich auch an Schulen und Kindergärten anpassen lassen.Ein bisschen von Zukunftsmusik getragen sind auch die Ideen für den Prinzessinnenbau, wo sich Linz eine kleine Gastronomie wie etwa ein Café vorstellen könnte. Der Wappensaal hingegen wäre ideal für private Feiern geeignet. Es gibt also noch viele Ideen, das alte Gemäuer weiter mit Leben zu füllen. Und schließlich: An einer Burg wird ja immer gebaut.
 
Quelle: Thüringer Allgemeine Zeitung 10.08.18