Heftiger Streit während einer Jagd in Kapellendorf

Heftiger Streit während einer Jagd in Kapellendorf

Zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und Jägern ist es am 6. Oktober während einer Treibjagd in Kapellendorf gekommen. Bedrohungen und Beschimpfungen stehen ebenso im Raum wie mögliche Verstöße gegen das Jagdrecht. Mehrere Beschwerden und eine Strafanzeige waren bislang die Folge.

Was war passiert? Am 6. Oktober hatte sich Jagdpächterin Heidrun Hommer Jagdgäste in ihr Pachtgebiet eingeladen. Dabei ging es um eine Treibjagd auf Hasen, Flugwild und Raubwild, wie sie auf Anfrage unserer Zeitung sagte. Während der Jagd soll es in der Nähe des Werlitzgrabens zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit Anwohnern gekommen sein. Diese hätten sich „absolut daneben benommen“, sagt Hommer. Schimpfworte flogen durch die Luft, auch Bedrohungen gegen die Jäger.

Aus Sicht der Anwohner war die Auseinandersetzung pure „Notwehr“ gegen Verletzungen des Jagdrechtes. In einem Schreiben an den Landesjagdverband Thüringen und den Deutschen Jagdverband sagte sie, dass mehrfach Jagdausübende aufgefordert wurden, sich weiter zu entfernen. Wörtlich heißt es unter anderem: „... die 200 m Grenze, die gegenüber Wohngebäuden einzuhalten ist, war auf deutlich unter 25 m verkürzt“. Zudem monierte sie, dass einer der Jäger mit einem siebenjährigen Kind unterwegs gewesen sei, für das er wohl das Erziehungsrecht habe. Schaller: „Es ist unverantwortlich, ein kleines Kind mit auf die Jagd zu nehmen. ... Dieses Risiko einzugehen, überschreitet die Grenze des Verstehbaren!“

Frank Herrmann, der Geschäftsführer des Thüringer Jagdverbandes, bei dem das Beschwerdeschreiben, das dieser Zeitung bereits am Montag zuging, bis zum Donnerstag noch immer nicht eingetroffen war, versucht die Gemüter zu beschwichtigen. Die Beschwerdeführerin, so antwortete er auf Nachfrage unserer Zeitung, befinde sich in einem „Verbotsirrtum“. Es gibt weder eine 200-m-Grenze noch ein Verbot, Minderjährige zur Jagd mitzunehmen.

Bei einem Kapellendorfer seien auf der Terrasse sogar Schrotkugeln herabgefallen, und zwar in unmittelbarer Nähe eines Kleinkindes. Diese Kugeln beschäftigen nun die Polizeiinspektion Apolda, nachdem Anzeige erstattet wurde. Hauptkommissarin Anette Wahlig: „Der Sachverhalt wird zunächst an die Staatsanwaltschaft übergeben, die die strafrechtliche Relevanz der Vorwürfe überprüft.“

Auch Franziska Depner von der unteren Jagdbehörde beim Kreis will zunächst den Ausgang der Ermittlungen abwarten. Bei ihr landete eine Beschwerde, die an die nicht zuständige Verwaltungsgemeinschaft Mellingen adressiert war.

Den Vorfall mit der Schrotmunition kann die Jagdpächterin weder bestätigen noch dementieren. „Bei Flugwild wird in die Luft geschossen“, nennt sie eine Möglichkeit. Sie prüft ihrerseits, ob Anzeigen erstattet werden – unter anderem wegen Beamtenbeleidigung; zwei der beschimpften Jäger waren Förster.

Sowohl Kapellendorfs Bürgermeister Hans-Jürgen Elstermann als auch Christiane Schaller als Beschwerdeführerin bestätigen, dass es bislang noch zu keinem Vorfall bei Jagden im Gebiet Kapellendorf gekommen sei. Die gegenseitigen Vorwürfe bleiben zunächst bestehen.

Quelle: Thüringer Allgemeine Zeitung 13.10.18